google-site-verification=YH2q0GamxuBGl1qV7ricoQL3nWE1D6EaWslbGN0HiSg Anno dazumal: Der Waldmeister – Teil 3

Anno dazumal: Der Waldmeister – Teil 3


Am 22.4.1941 kam es erneut zu einem Brand infolge eines Kurzschlusses. Der Jugendtanzsaal, in dem zu dieser Zeit Kriegsgefangene untergebracht waren, brannte nieder, wobei drei Gefangene starben. Der Saal wurde nicht wieder aufgebaut. Der Waldmeister diente aber danach noch bis 14. Mai zur Inhaftierung. Infolge eines Kellerbrandes 1942 muss der durch das Löschwasser vollgelaufene Keller des Waldmeisters wieder leer gepumpt werden. Im Garten des Waldmeister wurden außerdem Baracken errichtet, in denen Zwangsarbeiter, vorrangig Franzosen, untergebracht waren. Diese wurden bis 1945 stark bewacht. Zu dieser Zeit wurde der Waldmeister von Otto Naumann bewirtschaftet. Sein einziger Sohn Heinz fiel im II. Weltkrieg.

Im Waldmeister befanden sich, wie auch heute noch, über der Gaststätte Wohnungen. Über die Treppe gelangte man in einen langen Flur, von dem die einzelnen Zimmer abgingen. Nur am Ende des Flures gab es eine separate Wohnung: zwei Zimmer und Bad. Dort wohnte Heinz Naumann mit seiner Familie. Hinter dem Gebäude war der Eingang zum Saal sowie der Zugang zur Eigentümerwohnung. Diese war über die Galerie erreichbar, von der man in den Saal hinab schauen konnte. Dort wohnte Otto Naumann. Wie man alten Ansichtskarten entnehmen kann, war Otto Naumann zuvor der Besitzer des »Ritterschlösschens«, der Obstweinschänke »Schloss Ehrenberg« und der Erbschenke. Letztere schenkte er seiner Nichte Magdalena Kemnitz, welche sie zu DDR-Zeiten verkaufte. Otto Naumann bewirtschaftete gastronomisch auch das Waldbad.

Im rechten Gebäudeteil neben dem Eingang zum Bad war der Ausschank. Auch wurden dort die Bierfässer gelagert. Das Essen kochte man teilweise sogar im Waldmeister und lieferte es über die Brücke ins Waldbad. Noch 1952 war Naumann für den gastronomischen Bereich zuständig. Seine Nichte arbeitete ebenfalls dort und auch deren Tochter Jutta half bei der Bedienung der Gäste. Im Adressbuch Leipzig von 1949 steht: »Otto Naumann, Gastwirt, Oskar-Pflaume-Str. 54.« Die Auenstraße hatte man über einige Jahre umbenannt. Die Räume des »Waldmeisters« dienten auch als Probenraum für die Böhlitz-Ehrenberger Chöre. Der Männerchor probte freitags von 20.00 bis 22.00 Uhr und der Frauenchor mittwochs, später dienstags von 20.00 bis 22.00 Uhr. Für den 4.11.1933 lud der Männergesangsverein Böhlitz-Ehrenberg zu einem Herbst-Konzert im Vergnügungspark »Waldmeister« sowie für den 9. Dezember 1933 zu einem »Wohltätigkeits-Konzert zum Besten der Winterhilfe von Böhlitz-Ehrenberg«. Bei beiden Konzerten wirkte auch der Frauenchor mit. Der Eintritt betrug je 30 Pfg. Auch die Volksschule Böhlitz-Ehrenberg beging ihr 50-jähriges Schuljubiläum im Jahr 1927 mit einer »Morgenfeier« und einer »Abendfeier« im »Waldmeister«. Im Schuljahr 1948/49 führte das neu gegründete Schulorchester ihr Singspiel »Das goldene Lachen« im Waldmeis­ter auf. Auch das Singspiel und Märchen »Jans Abenteuer im Weltall« unter Leitung des Lehrers Erich Belke wurde dort 1950 uraufgeführt, ebenso 1953 die Jugendoper »Die Werberbande« des englischen Komponisten Alan Bush, der zu einer der Aufführungen im Waldmeister die Darsteller persönlich begrüßte. Die Aufregung und Vorfreude auf diese Begegnung war dementsprechend sehr groß. 1951 wurde die Theaterveranstaltung der Grundschule Bölitz-Ehrenberg »Der Parasit oder Von einem, der auf Kosten anderer lebte« im Waldmeister an drei Abenden im April uraufgeführt. Auch dieses symbolische Märchen in vier Akten war von Erich Belke sowie von Gerhard Lindau.

Vom Hausflur aus betrat man rechts und links eine Gaststätte, mit Berliner Ofen und Theke. 1952 fanden im linken Teil Tanzveranstaltungen statt. Der Saal wurde zu dieser Zeit als Kino genutzt. Der Filmvorführer saß dabei oben auf der Galerie. Bis etwa 1955 nutzte man die Räume als Kino- und Theatersaal unter dem Namen »Waldmeister Lichtspiele«. Auch fanden die Schulentlassungsfeiern für die Böhlitz-Ehrenberger Schüler im »Waldmeister« statt.

Der Glanz und die Ausstrahlung der Restaurationen und Vergnügungsetablissements mit dem pulsierenden Leben sind in Böhlitz-Ehrenberg leider verflogen. Nach 1955 wurde im Hauptgebäude ein Möbelhaus und ein Lager für elektrotechnische Geräte eingerichtet, welches bis zum Ende der DDR betrieben wurde. Im »Kulturspiegel« erschien die Anzeige der »Konsum-Verkaufsstelle Moderne Raumgestaltung im Waldmeister« im Juni 1957 zum ersten Mal. Nach der Wende verkaufte der einzige Enkel von Otto Naumann den Waldmeister. 1991 wurde das Gebäude saniert und das Möbelhaus »Waldmeister« eröffnet. Heute existiert nur noch das Hauptgebäude des Waldmeisters. Im ehemaligen Garten stehen Wohnhäuser einer nach 1999 neu entstandenen Wohnsiedlung. Vielleicht gibt es ja dort noch auf der einen oder anderen Terrasse ein kühles Bier oder grüne Waldmeisterlimonade. Prost!

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