Anno dazumal: Elefantenjagd in Böhlitz-Ehrenberg – Eine Zeitungsschau


Die folgenden aufregenden Ereignisse in Böhlitz-Ehrenberg bzw. Gundorf schafften es vor gut 90 Jahren sogar als Veröffentlichung in die ausländische Presse: bereits am 28. Mai 1928 hatte die holländische Zeitung »de Maasbode« vermeldet, dass es zu einem Unglück in der Luppenaue zwischen Quasnitz und Gundorf kam, als eine Kutsche mit mehreren Mitfahrern auf einem Weg durch die Elster­aue fuhr, der durch eine Wiese am Wasser entlang führte. Der Wagen blieb stecken und kippte in die Fluten. Ein Gentleman und eine Dame ertranken. Das Pferd starb auch. Drei andere Insassen hatten das Fahrzeug durch einen mutigen Sprung zuvor verlassen, weil sie das Unternehmen für zu gefährlich hielten. Der Fahrer wollte Selbstmord begehen, wurde aber daran gehindert. Er kam in Haft.

Unter der Überschrift »Böse Absicht« berichtete ein Jahr später, am 10. April 1929, die holländische Zeitung »Algemeen Handelsblad« über den Fabrikbrand auf Schlobachs Werksgelände, als eine 50 m lange und 20 m breite Holzsägehalle in Flammen aufgegangen war. Der Schaden betrug eine halbe Million Mark. Trotz des Einsatzes der Brandwehr ging eine große Menge Holz verloren. Man dachte an Brandstiftung.


In etlichen Zeitungen der Niederlande, so im »Limburgsch Dagblad«, im »Delftsche Courant« und anderen wurde reißerisch über eine »Elefantenjagd« in Böhlitz-Ehrenberg berichtet. Was war geschehen? Als ein ziemlich aufregender Tag sollte sich der 17. Dezember 1929 – es war ein Dienstag – in Böhlitz-Ehrenberg erweisen. Eine durchaus komplizierte Angelegenheit würde diesen Tag noch lange spruchreif und erinnerungsträchtig werden lassen. Wir wollen gemeinsam zurückblicken: Inwieweit die hiesige Presse davon Notiz genommen hatte, ließ sich noch nicht erforschen. Aber schon mal ganze acht Zeitungen in den Niederlanden berichteten wenige Tage vor Weihnachten, so um den 20./21. Dezember herum von – ja, von eben dieser Elefantenjagd! Überregionale Zeitungen in den holländischen Städten Apeldoorn, Delft, Eindhoven, Enschede, Limburg und anderen berichteten also, dass im Dorf Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig eine Elefantenjagd stattgefunden hatte. Diese Meldung erschien immerhin direkt unter einer Havariemeldung aus New York »Zugbrand in der Untergrund-Bahn Metro Brooklyn-Manhattan unter dem East River«.


Wie war das Ganze in Böhlitz-Ehrenberg vor sich gegangen, fragt man sich. Nichts war so sprichwörtlich glatt gegangen, wie »Husch, husch zu Busch«… Nun, der allseits bekannte Zirkus Busch gastierte in Leipzig und hatte hier in Böhlitz-Ehrenberg eine Fabrik gemietet (allerdings ist noch nicht geklärt, welche bzw. wo genau) und als Winterquartiere für Elefanten und andere Tiere eingerichtet. An jenem Dienstag, eine Woche vor Heiligabend, sollten die exotischen Tiere zu einer vorweihnachtlichen Zirkus-Aufführung in die Messestadt gebracht werden. Pfleger und Tierwärter machten alles fertig zum Abmarsch, die mächtigen Tiere waren wohlverwahrt, Ketten rasselten am größten Elefanten. Die Zeitungen berichteten unter der fettgedruckten Überschrift ziemlich reißerisch »Oli­fantenjacht« (niederländisch: ´Elefantenjagd), und zuerst war von uns als Sprachunkundigen angenommen, dass der bekannte Spaßmacher Otto Waalkes im Spiel war.


Mitnichten – als die Tiere über Schotter und Unebenheiten der Eisenbahnstrecke Leipzig/Leutzsch-Erfurt entlang geführt wurden, erschreckten sie vor einem rasenden Schnellzug. Die Elefanten wurden wild, rissen sich los und rannten panisch weg. Den Schilderungen der Zeitungsartikel nach durchbrachen sie ein Fabrikgelände, zerschmetterten Umzäunungen und Hecken, wurden aber nach geraumer Zeit schließlich von ihren Wachen gebändigt. Zurück in ihrem Böhlitz-Ehrenberger Quartier wurden sie in ihren Winterquartieren angekettet. Das Pflegepersonal fütterte und beruhigte die Tiere schließlich völlig. Die ganze Sache ging gut aus: Ohne neue Zwischenfälle konnten die Elefanten schließlich nach Leipzig gebracht und zur Freude der zahlreichen Zuschauer in die Zirkus-Manege geführt werden.


Hannelore Schaaf

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