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Gehwegplatte als Grenzstein

Förderverein Ortsgeschichte Böhlitz-Ehrenberg e. V.:


Projekte, die man mit Füßen tritt – kaum vorstellbar, aber wir sind stolz darauf! Wie kam es dazu? Beim Spazieren trifft man mitunter auf Anregungen und neue Idee. Augen und Ohren sollte man dabei stets offen halten. Unser neuestes Projekt entstand genau so. Unser damaliges Vereinsmitglied Hannelore Schaaf entdeckte in der Nähe des Diakonissenkrankenhauses eine Bodenplatte auf dem Bürgersteig, die die ehemalige Grenze zwischen Lindenau und Leutzsch verdeutlicht. Aus einer kleinen Anregung wurde eine große Idee. Wo sind die Grenzen in unserem Stadtteil? Wo war Böhlitz, wo Ehrenberg, wo lag Barneck und wo beginnt die Gemarkung Gundorf? Die Wenigsten werden es genau wissen.

Der Antragstellung zur Verlegung einer solchen Gehwegplatte folgte sehr viel Schriftverkehr sowie unzählige bürokratische Absprachen. Der Aufwand hat sich gelohnt. Nun liegt auf dem Fußweg an der Leipziger Straße zwischen der Gutshofstraße und der Barnecker Straße gegenüber der Tankstelle die erste Bodenplatte als Grenzmarkierung zwischen den ehemaligen Dörfern Barneck und Ehrenberg. Ein kleiner Meilenstein für unsere Ortsgeschichte. In Zeiten von Globalisierung und Verallgemeinerung sind Projekte der regionalen Ortsgeschichte besonders lobenswert. Wir danken allen, die dieses Projekt ermöglicht, finanziert und dessen Umsetzung realisiert haben.

Wir träumen weiter! Bodenplatten mit Grenzmarkierungen Böhlitz/

Gundorf, Böhlitz/Ehrenberg und Barneck/Leutzsch wären toll. Vielleicht lässt sich auch dies noch verwirklichen?


Informationen zur Geschichte

Das kleine Bauerndorf Barneck, slawischen Ursprungs, wurde 1285 erstmalig als »Parnik« urkundlich erwähnt, als der Markgraf Friedrich Tutta von Landsberg dem Merseburger Bischof Heinrich von Ammendorf das Gericht Ranstädt samt allen Orten und Einkünften verkaufte. Im »Urkundenbuch des Hochstifts Merseburg« sind diese Unterlagen enthalten. Die Kaufsumme betrug 200 Mark Silber. 1497 wird Barneck als ein Sattelhof in Leutzsch nebst Gerichten über Hals und Hand gehörigen Lehen des Bistums Merseburg erwähnt. Die Bezeichnung »brnaki«, später auch »Parnik« weist auf das Lehmvorkommen hin, welches später von einer Ziegelei ausgebeutet wurde. In der slawischen Sprache heißt es »brnaki« – Lehmdorf, Ort der Lehmgräber. Die Lehmgräberei und Ziegelbereitung ist hier lange betrieben worden. Folgende Namen sind belegt: 1285 – Parnik, 1328 – Parneck, 1437/38 – Borneck(e), 1485 – Bornecke, 1522 – Bornecke, 1639 – Bornegk, 1661 – Barnegk.


Im Abschätzungsverzeichnis des Jahres 1839 des Amtmanns Georg Wagner in Barneck ist neben dem Wohnhaus, den Nebengebäuden, Drescherwohnungen und dem Armenhause auch eine Ziegelscheune aufgelistet. Den Ziegelbrennofen ließ Wagner 1848 abtragen, die Ziegeltrockenscheune 1853. Einige alte Unterlagen bestreiten das Vorhandensein eines Brennofens. Es konnte nicht ausreichend geklärt werden, ob ein Brennofen vorhanden war. Zu Barneck gehörten 87 Hektar Feldfläche. Ein Rittersitz war Barneck nie, auch wenn stets vom Rittergut Barneck die Rede ist.


1497 wurde der Leipziger Ratsherr Martin Bauer vom Bischof Tilo in Merseburg unter anderem mit dem Erbgericht in Leutzsch und Barneck belehnt. 1517 kaufte der Leipziger Ratsherr Veit Wiedemann die beiden Dörfer. 1538 erwarb der Leipziger Rat die drei Dörfer Barneck, Leutzsch und Schönau von Wiedemanns Söhnen. Barneck gehörte ursprünglich zur Parochie Gundorf. 1538 wurde es nach Leutzsch eingepfarrt. 1613 erfolgte wieder die Umpfarrung nach Gun­dorf.


Ab 1688 kaufte Johann Graf aus Leipzig drei Güter in Barneck auf. Das vierte verblieb im Besitz der Familie Dreyhaupt. 1766 wech­selten diese vier Güter in den Besitz des Leipziger Hofrates Dr. Johann Wil­helm Richter. 1786 erbaute Richter das große barocke Herrenhaus. Das neben dem Herrenhaus liegende Villengebäude ließ Al­phons Platzmann 1856 erbauen. Richter setzte seine Kinder als Erben ein und verkaufte 1802, noch zu Lebzeiten, die Bar­necker Besitzungen an seinen Stiefsohn Kam­mer­rat Heinrich Gottfried Honig. Nach Richters Tod entbrannte ein Streit um die Zahlung der hinausgezögerten Kaufsumme zwischen Honig und den Erben, da ersterer auch die Bäume der Barnecker Lindenallee fällen ließ, was das Erbe minderte.


Im »Staats- Post- und Zeitungslexikon« wird der Ort Barneck im Band 1 von 1814 sowie im Band 14 von 1827 aufgeführt. 1814 bestand Barneck aus sechs Häusern, 1833 aus acht Häusern. Das waren vier Höfe und ein Hirtenhaus, in denen 50 Einwohner lebten.

1845 übernahm Alphons Platz­mann das Gut, nach seinem Tod 1883 seine Erben. 1883 kaufte Georg Wagner den Barnecker Gutshof mit dem Herrenhaus, den Wirtschaftsgebäuden, der Schäfe­rei und der Gutziegelei. Der weit­läufige Grundbesitz ging 1888 auf den Rittergutsbesitzer Walter Kees auf Gautzsch über und von diesem 1899 auf die Bank für Grundbesitz in Leipzig. Die Aufteilung als In­dustrieareal begann. Die Bar­necker Flur dehnte sich großflächig in östlicher Richtung aus. Der Gutshof lag an der westlichen Flurgrenze zu Böhlitz-Ehrenberg. 1856 erhielt die Flur durch den Bau der Thüringer Eisenbahn den ersten Einschnitt. 1908 wurde der Guts­bezirk Bar­neck der Gemeinde Böhlitz-Ehrenberg angegliedert. 1911 er­warb der bisherige Guts­pächter Emil Rösch Herrenhaus, Gebäude und Gärten. Das Villengebäude ver­blieb ebenfalls in Privatbesitz. Das 1786 im Barock ländlicher Bauart errichtete Her­renhaus des ehemaligen Rittergutes existiert noch heute.


Vom eigentlichen Dorf Barneck und dem ehemaligen Gutshof ist heute nicht viel er­halten. Das Herrenhaus ist umbaut von Häusern. Der Gutspark wurde nach 2013 mit Einfamilienhäusern bebaut. Lediglich die Säulen der alten Einfriedung der Villa Denck an der Heinrich-Heine-Straße 2a sind noch erhalten.


Die Barnecker Straße, früher Lindenstraße, zwischen 1933-1945 Martin-Mutschmann-Straße, danach Arthur-Feistkorn-Straße, liegt bereits in der Flur von Ehrenberg. Das Straßendorf Ehrenberg wird erstmalig als »Irrenberc« 1285 erwähnt. Im »Urkundenbuch des Hochstifts Merseburg« sind diese Unterlagen enthalten. Die An­siedlung geht auf christliche Ger­manen im 10. Jahrhundert zurück.


Der Name des Sippen­oberhauptes wurde gewöhnlich auf die Ansiedlung übertragen. Der Sippenälteste der Germanen mag »Iro« geheißen haben, woraus sich »Irrenberg«, »Iren-«, »Ern-«, »Eren-« und »Ehrenberg« ergeben hat. Die Silbe »Ir« mit »it, is oder iter« lässt sich von einem indo­germanischen Wortkern ableiten. Dieser hat sich im Keltischen als »itis« sowie im Lateinischen als »iter« und »ire« erhalten. Er bedeutet in etwa »Wegstrecke, Durchgang«. Der Ortsname kann aber auch der Bedeutung »Sied­lung, an der Ton gewonnen wurde« zugeordnet werden.


Ehrenberg lag östlich der Biela. Die Güter der Bauern lagen entlang der Dorfstraße, der heutigen Auenstraße. Im »Staats- Post- und Zeitungslexikon« wird der Ort Ehrenberg im Band 2 von 1815 sowie im Band 15 von 1828 aufgeführt. 1815 gehörte Ehrenberg zum Hochstifte Merseburg, im Amte Schkeuditz. Das Dorf hatte 19 Häuser und war Sitz eines Heegereuters. 1828 lag der Ort im Kreisamt Leipzig. 1839 vereinigte sich Ehrenberg mit Böhlitz.

Kirsten Haasch

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