Sporthalle: Eine bürokratische Odyssee

Handballsportgemeinschaft Rückmarsdorf 1919 e. V.:

Einschränkungen, Verzicht und Vertröstungen auf bessere Zeiten konnte ein jeder in den letzten zwölf Monaten erfahren und sind für vorhersehbare Zeit weiter an der politischen, deutschlandweiten und internationalen Tagesordnung. Für vielerlei Sportbegeisterte im Leipziger Westen sind dies allerdings schon seit zwei Jahrzehnten die Eckpfeiler der kommunalen Politik und sorgen in neuer und doch altbekannter Manier für Verdruss. Die ersehnte Sporthalle vor der eigenen Haustür ist lange schon der Traum vieler Sportsfreund­Innen und wird es vorerst wohl bleiben können, da der Zuschuss aus der Kasse des Freistaates Sachsen aufgrund der epidemiologischen Umstände nicht wie geplant im Frühjahr seinen Weg nach Leipzig finden wird.


Zur Avantgarde der engagierten BreitensportlerInnen, die seit Jahren einen aktiven Beitrag zum Bau der Halle zu leisten versuchen, gehören die Vereinsmitglieder und Ehrenamtliche der HSG Rückmarsdorf. Als Verein verspricht man sich zu Recht frischen Aufwind unter den Flügeln des sportlichen Erfolgs. Die Vereinsvorsitzende, Luisa Loschke, blickt in Bezug auf die neue Sportstätte jedoch weit über den eigenen Tellerrand he­raus. »Als Sportgemeinschaft haben wir die Pflicht und den Anspruch, ein integraler Teil der Gemeinde zu sein und wünschen uns für die Umsetzung unserer Projekte natürlich eine Halle im Herzen des Bezirkes«. So sollen nicht nur die Fahrtwege verkürzt und die Trainingsmöglichkeiten ausgebaut werden, sondern insgesamt ein deutlich attraktiveres Angebot an Jugendsport zur Verfügung stehen. Mit mehr Nähe, mehr Angeboten und besseren Trainingsbedingungen will die HSG ihrem sportlichen und sozialen Anspruch Rechenschaft leisten. Zurzeit sind Trainingszeiten in ganz Leipzig hart umkämpft und SportlerInnen müssen teilweise lange und zeitintensive Wege in Kauf nehmen, die vor allem im Jugendbereich die Abhängigkeit von Eltern und Familie steigern. Denen will man mit verbesserter Logistik unter die Arme greifen und den Kindern ein intensiveres Sporterlebnis bieten. Der Ausblick auf engere Anbindung an lokale Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie anderen Sportvereinen birgt für vorausschauende, opportun handelnde Vereine das Potential zur weiteren Bündelung von Ressourcen. »Alleine die Erreichbarkeit der Halle kann Eltern und Freiwillige entlasten, aber vor allem die Möglichkeit der engeren Zusammenarbeit mit lokalen Schulen, AGs und anderen Sportvereinen könnte Synergien freisetzen, von denen alle profitieren« führte Frau Loschke aus und kommt nicht umhin noch hinzuzufügen, dass es sich bisher um »eine bürokratische und politische Odyssee« handelt. Im Gegensatz zu Homers griechischem Epos sorgen die zahlreichen Wendungen rund um den Bau der Halle im Westen Leipzigs nicht für einen Spannungsbogen, sondern viel mehr für Frust.


Bereits im Jahr 2000 wurden im Zuge der Eingemeindungswelle Stimmen laut, die eine Sporthalle im Westen der Stadt guthießen. Zahlreiche Spendenaktionen und Turniere wurden abgehalten, es gründeten sich Fördervereine und lösten sich auf, Vorstände und Lokalpolitiker kamen und gingen, Vereinbarungen wurden getroffen und ignoriert, wohlwollende Worte wurden gesprochen und ebenso wohlwollend zur Kenntnis genommen, doch viel verebbte im Sand und der Rest musste sich damit begnügen, dass der nur stete Tropfen den Stein höhlt. So dauerte es bis zum Jahr 2015, dass in einer Studie des Sportdezernats der Stadt Leipzig der Benefit einer neuen Halle in Leipzig West für besonders groß erachtet wurde. Im weiteren Verlauf konnten dann entscheidende Hürden genommen werden, als Machbarkeitsstudien und Bauüberlegungen ein positives Bild zeichneten und letztlich im Jahr 2019 der Stadtrat seinen Segen für das Projekt gab. Mittlerweile ist sogar ein Radweg gebaut worden, der SportlerInnen aller Altersklassen sicher entlang der frequent befahrenen Schönauer Landstraße ins Herz Böhlitz-Ehrenbergs bringen wird.


Nahezu auf der Zielgeraden der jahrzehntelangen Reise stellt sich nun in Pandemiezeiten die Hydra der Finanzmittelbschaffung in den Weg. 2021 soll nun die Stadt am Antrag auf Unterstützung vom Freistaat festhalten und auch die letzten Hürden genommen werden. Die Vereinsmitglieder der HSG Rückmarsdorf schauen erneut voller Spannung Richtung Dresden und Neues Rathaus. Schließlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Dr. Stefan Bauer

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