Anno dazumal: Das alte Forsthaus Böhlitz-Ehrenbergs

In unserer Serie stellen wir die Gebäude des Ortes vor, an denen bisher eine Haustafel angebracht wurde. Heute geht es um das ehemalige Forsthaus.

 

Die Nähe des Auenwaldes spielte seit jeher für die anliegenden Gemeinden eine herausragende wirtschaftliche Rolle. Vor allem wurde er   zur Gewinnung von Brennholz und zur Grasgewinnung genutzt. Schon 1367 kaufte die Stadt Leipzig die Burgaue vom Ritter Hans Porzig. Der Holzabtransport konnte damals nur über die Ehrenberger Brücke, die 1417 mit Erlaubnis des Merseburger Abtes von der Stadt Leipzig gebaut wurde, erfolgen. Für die Betreuung der Leipziger Forsten wurde in der Nähe der Brücke ein Forsthaus errichtet. Eine staatliche Försterei, die zuständig für die Forstflächen des Bistums Merseburg war, stand in Gundorf. 1589 wurde sie nach Ehrenberg verlegt. Ihm stand ein Oberförster vor.

 

Zu den zu betreuenden staatlichen Forsten gehörten u. a. der Bienitz, der Grünitz, der Kanitzsch, das Quasnitzer Holz und das Hänichener Holz und hatte zudem ein ausgedehntes Jagdrevier, das sich im Norden bis nach Linden­thal, im Wes­ten und Süden bis nach Schkeuditz und Altranstädt erstreckte. Der Oberförster hatte eine von der Bevölkerung geachtete Stellung inne. Im Jahr 1714 wurde ihm vom damals zuständigen Amt Schkeuditz das Recht des Bierausschankes gestattet. 1787 errichtete man einen Neubau in der heutigen Auenstraße. Das Gut hatte die Form eines Vierseitenhofes mit mehreren Gebäuden, die aber mit der Zeit nicht mehr gebraucht wurden. Eine verbliebene Scheune – in den letzten Jahren ungenutzt und ruinös – wurde erst nach 1990 abgerissen.

 

Die ehemals sächsisch-königliche Oberförsterei hatte einst überregionale Bedeutung. Von hier aus wurden die Forstflächen des westlichen Auwaldes sowie zeitweise die zugehörigen Jagdgebiete, die sich bis Knauthain, Günthersdorf und Lindenthal erstreckten, betreut. Die Selbstständigkeit verlor das Ehrenberger Forstamt im Jahre 1850, als es mit dem Zwenkauer Forstamt zusammengelegt wurde. Eine Zeit lang diente es noch als Außenstelle. Doch nicht lange agierte hier ein Forstassessor, da man die Verwaltung der Forsten gänzlich von Zwenkau, später von Naunhof aus, steuerte. Von nun an diente das Gut nur noch Wohnzwecken.

 

1917 kaufte das Grundstück der Fabrikbesitzer Otto Schaaf, der es 1945 durch Enteignung verlor. Das Wohnhaus wurde 1923 renoviert und erhielt bauliche Erweiterungen. Nach der politischen Wende 1989 stand das unter Denkmalschutz stehende Wohnhaus eine Zeit lang leer und verfiel zusehends. 2010 fand es einen Käufer, der es von Grund auf sanierte. Heute beinhaltet es vier Wohnungen und strahlt im neuen Glanz in der Auenstraße. Die von der Auenstraße abzweigende kleine Anliegerstraße »Zum Forstgut« erinnert an das ehemalige Anwesen.    

 

Helge Schmidt

 

 

 

 

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