Anno dazumal – Der Waldmeister, Teil 2

In unserer Serie stellen wir die Gebäude des Ortes vor, an denen bisher eine Haustafel angebracht wurde (Fortsetzung aus Heft 13)

 

Der Garten mit altem Baumbestand hatte einen kleinen Teich mit Fontäne und reichte bis zur Luppe, die zu dieser Zeit noch im Flussbett der heutigen »Alten Luppe« floss. Über die Luppe führte eine Brücke, auf der sich ein Tor befand, welches abends abgeschlossen wurde. Zahlreiche Gartentische, bedeckt mit weißen Tischtüchern samt Stühlen, luden die Gäste ein. Der Gasthof »Zum Waldmeister« entwickelte sich rasch zu einem »Concert- und Ball-Etablissement« und einem beliebten Ausflugsziel. 1909 wechselte der Gasthof in den Besitz von Ernst Meier, 1910 zu Paul Orlin, im gleichen Jahr wieder zu Meier. 1914 war Orlin als Geschäftsführer des Waldmeisters tätig. 1923 kam der »Vergnügungspark« in den Besitz der Firma F. Schlobach GmbH und letztlich 1933 zum Gastwirt Karl Otto Naumann. 23 verschiedene Ansichtskarten, die zwischen 1899 und 1941 postalisch liefen, zeigen die Beliebtheit des Ausflugslokales. Sogar Omnibusfahrten zum Ver­gnügungspark wurden veranstaltet. Runde münzartige Metallstücke mit der Aufschrift »Tanzmarke Vergnügungspark Waldmeister« waren im Umlauf. Vermutlich dienten sie als Eintrittsmarke. Unsere Vorfahren nutzten die großen Lokalitäten des Ortes für zahlreiche Veranstaltungen.

 

Am 11./12.6.1904 fand »im Jugend-Festsaal des Gasthof zum Waldmeister« sowie im »Theater-Saale« ein »Sänger-Kommers« statt. 1914 verabschiedete man im Waldmeister das Regiment 107 des II. Rekrutendepots Böhlitz-Ehrenberg mit Musik und lus­tigem Spiel. 1915 lud der Frauenverein zu einem Vortrag zum Thema Krieg und Küche. Im August 1918 veranstaltete der Gemischte Chor zu Böhlitz-Ehrenberg einen »Unterhaltungs-Abend zum Besten der hiesigen Kriegsnot­spende«. Im I. Teil gab es den Auftritt des Chores sowie ein humoristisches Zwiegespräch »Die beiden letzten Taler«, im II. Teil ein Lustspiel in drei Aufzügen »Auf Straf-Urlaub«. Der Gemischte Chor lud, so auch am 6. März 1920, nach seinen Konzerten zum Ball. »Es wird gebeten, während des Konzertes das Rauchen zu unterlassen« stand auf der Einladung sowie der Vermerk »Beginn pünktlich 7 Uhr«. Gut zu wissen, dass es vor 100 Jahren um die Pünktlichkeit nicht besser bestellt war als heute. Die Mitglieder der um 1921 gegründeten Zimmerstutzengesellschaft nutzten einen Saal des Waldmeisters sogar als Schießplatz. Der durch Walter Schlobach 1907 gegründete »Vaterländische Verein« für Böhlitz-Ehrenberg und Umgebung tagte bis zu seiner Auflösung 1919 regelmäßig mit seinen etwa 255 Mitgliedern im Waldmeister. Im Jahr 1913 übergaben sie in einer Gedenkfeier den geweihten Gedenkstein, welcher jahrzehntelang vor dem Wasserturm stand und an »die große Zeit von 1813« erinnerte, und feierten anschließend im Waldmeis­ter.

 

Um 1920 hatte die Ortsgruppe des »Demokratischen Vereins« ihr Vereinslokal im Waldmeister. Der Saal wurde auch von anderen Vereinen und politischen Organisationen des Ortes als Versammlungs- und Tagungsort genutzt, jedoch hatte er keine Heizung, so dass es im Winter sehr kalt war. Die Volksbühne Böhlitz-Ehrenberg zeigte etwa ab der 1920er Jahre im Waldmeister vier bis sechs Aufführungen pro Jahr, von denen eine jährlich am Totensonntag stattfand. Während des Krieges gab es keine Theatervorstellungen. Danach wurde, trotz der Versuche, die Volksbühne wiederzubeleben, diese aufgrund staatlicher Reglementierungen der Stücke aufgelöst.

 

Der 1879 gegründete Männersgesangsverein gab am 27.10.1934 sein Herbst-Konzert im Waldmeister unter der Mitwirkung des Frauenchores von Böhlitz-Ehrenberg. Auch hier lud man nach dem Konzert zum Deutschen Tanz. Ebenso der »SD.Saxonia Böhlitz-Ehrenberg«, der nach seiner 30-Jahre-Jubiläumsfeier am 28.8.1937 zum Tanz bat. 1928 zerstörte ein Brand im Gasthof »Zum Waldmeister« den Dachboden. Durch den Funkenflug wurde das letzte mit Stroh gedeckte Gebäude Böhlitz-Ehrenbergs, die Scheune im Tostlöbschen Nachbargut, zerstört. 

(Fortsetzung im nächsten Gemeinde-Blatt)

 

 

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