170 Jahre Feldbahn im Leipziger Westen
Museumsfeldbahn Leipzig-Lindenau e. V.:

Der Verein Museumsfeldbahn Leipzig-Lindenau e. V. (kurz MFLL) kann in diesem Jahr ein beinahe unglaubliches Jubiläum feiern, denn seit 170 Jahren ist im Leipziger Westen eine Transportbahn auf 800 mm Spurweite unterwegs. Der Ursprung dieser Bahn geht nachweislich auf Beschaffungen des Industriepioniers und Unternehmers Karl Heine zurück, der im Jahre 1856 Transportwagen für die von ihm initiierten Bauarbeiten zur Anlegung eines Kanals im westlichen Vorland Leipzigs beschaffte. Dieses Rollmaterial wurde mit einer Spurweite von zwei-dreiviertel »sächsischen Fuß« geliefert, die nach Einführung des metrischen Systems in Deutschland 1875 auf 800 mm glatt gezogen wurde. Bei den damaligen Bauarbeiten stieß man auf umfangreiche Kiesvorkommen in der Plagwitz-Lindenauer Flur, woraus sich ein zweites Nutzungsgebiet für die Bahn ergab.
Der Kiestransport sollte fortan das Hauptbetätigungsfeld des Bahnbetriebes werden. Nachdem sich ab 1856 40 Jahre lang wackere Männer mit Spitzhacke und Schaufel durch die Landschaft gruben und die Kiesloren mit Pferden bewegt wurden, erfolgte 1896 mit Einführung des elektrischen Betriebes ein großer Technologieschub im Kiesabbau, der sich über die Jahrzehnte immer mehr in Richtung der Schönauer Flur ausbreitete. Dieser Abbau wurde bis 1991 aufrechterhalten. Im Anschluss sollte der Rückbau der Bahnanlagen erfolgen. Rührigen Eisenbahnfreunden gelang es letztlich, diesen Rückbau zu stoppen und den Denkmalschutz für die Kiesbahn zu erwirken. Seit 1992 wurden die letzten zwei Kilometer des ehemals umfangreichen Streckennetzes durch die Eisenbahnfreunde in ehrenamtlicher Tätigkeit wieder ertüchtigt und der o. g. Verein gegründet. Seit nunmehr 34 Jahren kann man die alte Kiesbahn regelrecht »erfahren«, insbesondere an den ca. zehn bis zwölf öffentlichen Fahrtagen im Jahr. Alle Informationen, auch zu den Fahrtagen, findet man auf der Vereinswebsite www.museumsfeldbahn.de.
Wer in diesem Jahr die Bahn noch besuchen möchte, der hat das nächste Mal am Sonntag, den 23. August, im Rahmen des Leipziger Wasserfestes die Gelegenheit dazu. Für einen schmalen Taler hat man das einmalige Gefühl einer Fahrt über klickende Industriegleise in mäßiger Geschwindigkeit in historischem Ambiente.
Michael Lückert



















































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